Du bist willkommen! Predigt über 1.Tim 1,12-17

 

"You are wellcome" (du bist willkommen) oder auch nur einfach "welcome" - diese Einladung findet man oft auf einem Schild oder auf dem Fußabtreter vor amerikanischen Haustüren. Der Gruß zeigt die Offenheit und Gastfreundschaft vieler Amerikaner. Zunächst ist jeder, der das Haus oder die Wohnung betritt, willkommen - gleich, wie er lebt oder woher er kommt.

 

"You are wellcome " - diese Worte könnten aber auch eine Übetragung  der biblischen Botschaft sein, wie sie in unserem Text aus dem ersten Timotheus zum Ausdruck kommt: "Wahr ist das Wort und aller Anerkennung wert, dass Jesus in die Welt gekommen ist, um die Sünder zu retten!"  Denn damit wird gesagt, dass wir Menschen durch Jesus vor Gott willkommen sind, dass unsere "Sünde" seine Liebe, sein "Für-uns-sein", nicht in Frage stellt.

 

Mit dem Wort "Sünde" ist ursprünglich gemeint, dass Menschen wie durch einen "Sund" von Gott und ihren Mitmenschen getrennt sind. Sie genügen den Regeln und Geboten nicht, die von Gott geboten sind oder eine Gemeinschaft sich setzt. Sie leben anders und nach anderen Regeln und genießen deshalb in der Gemeinschaft der "Ordentlichen" oder "Frommen" einen schlechten Ruf. Die Evangelien erzählen, wie sich Jesu gerade solcher Menschen besonders angenommen hat, wie er mit "Sündern und Zöllnern" zusammen ißt und mit ihnen Gemeinschaft hat.

Gegenüber den Frommen seiner Zeit rechtfertigt Jesus sein Verhalten damit, dass nicht die Gesunden, sondern die Kranken des Arztes bedürfen. Dazu sei er gekommen "die Sünder zu rufen" und nicht die Gerechten.  Die Botschaft von der Liebe und der befreienden Gnade Gottes soll in besonderer Weise und in erster Linie denen vermittelt werden, die sich absondern und die sich in ihrer Absonderung gegen die Gemeinschaft wenden, sie gefährden oder zerstören.

Nicht die Androhung der Strafe oder des zukünftigen Gerichtes soll sie veranlassen, ihr Leben zu ändern, sondern die Erfahrung, angenommen und akzeptiert zu sein soll ihnen die Einsicht in das ermöglichen, was für sie und ihre Mitmenschen gut ist.

 

Welche Bedeutung hat diese Botschaft für unser Leben?

Wenn wir Kinder haben oder mit Kindern umgehen, wissen wir, wie sehr Kinder dies brauchen, sich angenommen und akzeptiert zu fühlen. Besonders wenn sie schwierig sind, sich absondern oder uns durch ihr Verhalten herausfordern, ist es wichtig, sie unsere Liebe spüren zu lassen. Gewiss, sie brauchen auch Grenzen. Sie müssen lernen, sich in die Regeln der Gemeinschaft einzufügen.

Aber wir möchten, dass sie nicht nur aus Angst vor Strafe, sondern aus eigenem Antrieb und eigener Verantwortung das tun, was auch andern zugute kommt. Weil wir unser Kind lieben, werden wir sie nicht auf das festlegen, was sie einmal angerichtet haben, sondern ihnen immer wieder hinterhergehen, wünschen und hoffen, dass sie verantwortungsbewusste Menschen werden.

Was für den Umgang mit Kindern wichtig ist, gilt ja auch für den Umgang unter uns Erwachsenen. Wenn sich Minderheiten in unserer Gesellschaft absondern und radikalisieren, dann kann das seine Ursache darin haben, dass sie sich nicht akzeptiert oder angenommen wissen. Nicht die härteren Gesetze, sondern ein verbessertes Klima der Akzeptanz und des gegenseitigen Verständnisses werden der entscheidende Beitrag zum inneren Frieden sein.

 

Die Botschaft: "Du bist willkommen!" zielt letztlich auf uns selbst.

Darin sind wir alle "Sünder", dass wir schuldig werden. Wir wissen um unsere Fehler und Schwächen - um die dunkle, unansehnliche Seite unseres Lebens.

Sind wir auch in dieser Hinsicht willkommen? Haben wir die Freiheit, zu unsern Fehlern, zu unserer schuld zu stehen?  Können wir uns verändern, neue Einsichten zulassen? Oder müssen wir uns um unserer selbst willen abschließen, zur Wehr setzen und auf dem beharren, was wir eigentlich als falsch einsehen?

Die Botschaft: "Du bist willkommen", der Zuspruch , dass wir bei Gott als "Sünder" angenommen und gerechtfertig sind, schafft diese Freiheit.

In unserem Text spricht er Apostel davon, dass ihm selbst  Barmherzigkeit in dieser Weise widerfahren sei. Ihm, der vorher ein "Frevler und Lästerer" war, ist Christus so begegnet, dass er dadurch zu einem neuen Menschen- zu einem Verkündiger des Evangeliums geworden ist. Und so ist er selber ein Vorbild dafür geworden, wie Gottes Gnade und Vergebung wirkt. Sie überwindet unsere Selbstbezogenheit und öffnet uns dafür, unser Unrecht  und unsere Gottesferne einzusehen. Wir erkennen, dass der Weg Jesu, sein Weg der Liebe, der bessere Weg ist. Er rettet. D.h. er schafft Frieden und lässt unser Leben ein gesegnetes Leben werden.

 

Amen.