Das neue Jahr im Geiste Gottes-

Gedanken über Römer 8,14: „Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder“ /8.1.01.

                                                                                                

 

Wir haben und ein frohes, gutes, erfolgreiches oder auch gesegnetes neues Jahr gewünscht.

Erleben wir die Welt um uns herum so, dass unsere Neujahrswünsche in Erfüllung gehen könnten?

Vor ein paar Tagen hatten meine Frau und ich ein Gespräch mit einer Freundin, die bei uns zu  Gast war, das leider so endete, dass unser Gast sehr unversöhnlich von uns schied . Was unser Gespräch so heftig werden ließ , war die Frage, ob es in unserer Welt oder in unserer Gesellschaft einen Fortschritt zum Besseren gäbe oder nicht. Unser Gast verwies darauf, dass

die Zahl der hungernden Menschen und der Menschen auf der Flucht sich in den letzten 10 Jahren eher vergrößert als verkleinert hat. Sie verwies auf  die Ausbeutung der Natur und ihre Zerstörung, die immer größere Ausmaße annähmen. Ein ausbeuterischer Kapitalismus greife immer mehr um sich. Und in vieler Hinsicht nähme die Gewalt und die Konfrontation radikaler Gruppen zu. Auch, was wir als technische Fortschritt preisen – die Revolutionierung unserer Kommunikationsmöglichkeiten per Internet oder Handy - sei nur ein Erneuerung; aber einen Fortschritt hätten diese technischen Mittel nicht gebracht, denn kein einziges Kind, das in Asien oder Afrika verhungert, würde dadurch gerettet.

Ich dagegen weigerte mich , ihr zuzustimmen, dass alles nur schlechter  und schlimmer wird. Ich sähe Entwicklungen zum Besseren. Z. B. mache das Bewusstseins im Sinne der Menschenrechte weltweit Fortschritte und trotz der vielen gewalttätigen Regime seien demokratische Entwicklungen auf dem Vormarsch – wie das Beispiel Jugoslawien sehen könne.. Hier in Europa erlebten wir eine Periode des Friedens ,der friedlichen Kooperation und wirtschaftlichen Entwicklung, wie es sie in Europa noch nie gegeben hat.

 

Im Laufe unserer Diskussion wurde mir immer deutlicher, dass es nicht nur darum ging, wer die besseren oder einleuchtenderen Argumente hat. Im Grunde ging es darum, in welchem „Geist“ wir unsere Welt sehen oder beurteilen.

Nach meiner Erfahrung gibt es viele Menschen - oft sind sie gesellschaftlich sehr engagiert -, die zu einer depressiven Sicht ihrer Welt und der Menschen um sie herum neigen. Die Welt wird rigoros in schwarz und weiß , in Gute und Böse aufgeteilt, wobei die böse Welt einen zunehmend überwältigt, einengt und verzweifelt macht. Letztlich könnte man nur Bomben werfen, weil alle kleinen Schritte sowieso nichts bringen. Diese rigorose Weltsicht lässt solche Menschen sehr kompromisslos und unbarmherzig – oft auch arrogant  werden. Sie sind sich ihrer Meinung absolut sicher, und haben  es nicht nötig, sich hinterfragen zu lassen. Wer ihnen nicht zustimmt, den bestrafen sie mit ihrer Verachtung . 

 

Die Worte des Apostels Paulus aus dem Römerbrief: „Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder“, richten sich vermutlich nicht sosehr an die Gleichgültigen und Satten, sondern eher an die, die an ihrer Welt leiden. Sie sehen die Ungerechtigkeit und die Gewalt , aber sie fühlen sich machtlos, sehen kein Licht am Horizont.  Sie fühlen sich wie versprengte Lichtfunken oder „Kinder des Lichts“ in  einer Welt , in der sich die Finsternis mehr und mehr ausbreitet.

Der Geist Gottes aber ist nach christlichem Verständnis  kein rigoroser Geist,  der die Menschen in  Gute und  Böse unterteilt.  Er ist einschöpferischer Geist, der dort neues Leben schafft oder schaffen kann , wo wir z.Zt. nur  Niedergang oder Chaos entdecken können.

Er ist ein Geist, der neue Möglichkeiten der Entwicklung  des Lebens öffnet.