Die Kraft von innen (Predigt über Eph.3,14-17) am 21.08.00.

In den vergangenen Wochen vergeht kaum ein Tag, an dem die Zeitungen nicht über eine Gewalttat oder über Aufmärsche rechtextremistischer Schlägergruppen berichten. Ihre Gewalt richtet sich gegen Menschen fremder Nationalität , Hautfarbe oder Rasse. Die Zahl dieser rechtextremen in der Regel jugendlicher Gewalttäter ist gering. Dennoch scheint es so, dass sie deshalb so unverfroren und dreist auftreten können, weil sie sich der geheimen Zustimmung sehr vieler Erwachsener sicher sein können. Und wenn man sich fragt, woher die jungen Leute – teilweise sind sie erst dreizehn oder vierzehn  Jahre alt- ihre Parolen haben und wer in ihren Köpfen den Hass auf ausländische Menschen gesät hat, dann werden wir Erwachsenen uns fragen müssen, wie wir in unseren Kreisen oder vor unseren Kindern über Menschen reden, die eine fremde Sprache sprechen, einer anderen Kultur angehören oder eine andere Hautfarbe tragen. Offensichtlich ist die Abneigung gegen Fremde oder auch die Überheblichkeit, wir Deutschen seien etwas Besseres, noch sehr tief in der Seele unseres Volkes verankert.

 Der Schreiber unseres Textes stellt sich als Mensch vor, der seine "Knie beugt vor dem Vater, der der rechte Vater ist über alles, was Kinder heißt im Himmel und auf Erden". Seine Lebenshaltung ist die Demut vor Gott. Und Gott ist der Gott aller Menschen , gleich welcher Hautfarbe, Rasse oder Nation.

Ich finde es wichtig, an dieser Stelle das Wort „Demut“ zu verwenden. Denn wenn wir andere Menschen abwerten oder diffamieren, weil sie anders aussehen oder anders leben als wir, dann sind wir „hochmütig“. Wir machen uns selbst mit unserem Aussehen und unserer Lebensweise zum Maßstab, nach dem wir andere Menschen meinen beurteilen oder verurteilen zukönnen. Dem Glauben an den Gott der Bibel aber entspricht die Demut, in der wir uns selbst in die große Gemeinschaft aller Menschen stellen und einordnen. Ich bin mit meine Herkunft und Sprache nicht besser als andere Menschen. Ich bin mit meinem Leben nicht das Maß für andere  Menschen, sondern erfahre durch die Begegnung mit anderen und fremden Bereicherung und Erneuerung.

Dieser Demut nach außen entspricht eine Kraft  "am inwendigen Menschen", wie sie in unserem Text genannt wird. Sie ist eine Kraft, die uns aus Gottes Geist zufließt. Der Hochmut, die Selbstüberhebung ist auf äußere, körperliche Kraft angewiesen. Ihr Mittel ist die brutale Gewalt, mit der anders Aussehende und immer wieder auch anders Denkende niedergeknüppelt werden. Der Demut vor Gott und dem Respekt vor der Würde eines jeden Menschen aber fließt innere Kraft zu. Wer so leben kann , dass er sich vor fremden Menschen nicht fürchten muss und sie akzeptieren kann, der beweist eine innere Kraft. Er muss sein eigenes Recht nicht mit der Faust oder dem Baseballschläger durchsetzen, sondern vertraut darauf, dass er in der Gemeinschaft und in der Begegnung mit anderen Menschen zu seinem Recht kommen wird.  

In dem Text heißt es weiter, dass die inwendige Kraft aus dem Geist Gottes uns hilft, "in der Liebe Jesu Christi eingewurzelt" zu werden. Die innere Kraft des Geistes Gottes ist die Liebe. Sie ist die Fähigkeit, auf Menschen zuzugehen, anstatt uns mit ihnen zu vergleichen und uns gegenseitig herabzusetzen. Sie befähigt uns, denen zu helfen oder beizustehen, die der Hilfe bedürfen oder die sich ausgeschlossen und ausgegrenzt sehen. Ich denke, dass wir diese „Liebe Jesu Christi“ nicht selbstverständlich zur Verfügung haben. Sie bedarf dessen, dass wir uns nach ihr ausstrecken und um sie bitten. Unser Text kann als Gebet um Gottes Geist und die Kraft seiner Liebe gelesen werden:
" Ich beuge meine Knie vor Dir Vater, der Du Vater bist über alles,

  was lebt im Himmel und auf Erden;

  dass Du mir Kraft gibst nach dem Reichtum Deiner Herrlichkeit,

  damit ich stark werde durch Deinen Geist am inwendigen  Menschen;

  dass Christus in meinem Herzen wohne,

  und ich in der Liebe eingewurzelt und gegründet sei."

  Amen.