Gottes Hilfe und Bewahrung - Gedanken zu Psalm 121

 

Die Worte dieses Psalms sind mir beim Abschied von meinen Kindern Johanna und Sebastian in den Sinn gekommen. Am Mittwoch , dem 23.August, sind sie für beinahe ein Jahr im wahrsten Sinne des Wortes „davon geflogen“: Sebastian zu seiner Gastfamilie nach Wisconsin (USA), wo er an einer Schule in Janesville ein High-school-Jahr verbringen wird, und Johanna nach Brasilien in die Nähe von Sao Paulo, wo sie zunächst als Praktikantin auf einem Hof arbeiten wird.

Werden sie gut und heil an ihren Zielorten ankommen? Wie wird der Anfang sein für sie an einem fremden Ort in einem fremden Land mit einer Sprache, die sie erst noch richtig lernen müssen, mit Menschen um sie herum, die sie und die wir bisher nicht kannten? Welchen Einflüssen oder auch Gefahren werde sie ausgesetzt sein?

 

Der Psalm 121 will so etwas wie ein Reisesegen sein:

„Ich hebe meine Auge auf  zu den Bergen – woher kommt mir Hilfe?

Meine Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat!

Siehe, der Hüter Israels schläft noch schlummert nicht.

Der Herr behütet dich; der Herr ist der Schatten über deiner rechten Hand,

dass dich des Tages die Sonne nicht steche, noch der Mond des Nachts.“

 

Was bedeuten diese Worte, die uns die Hilfe Gottes zusagen?

In welcher Weise können wir unsere Kinder und alle Menschen , die uns lieb sind oder für die wir Verantwortung tragen, dieser Hilfe Gottes anvertrauen?

Es geschehen so viele Unglücke. Beinahe jeden Tag lesen oder sehen wir Berichte über Flugzeugabstürze, Eisenbahnunglücke oder andere Katastrophen.

Wo war die Hilfe Gottes bei den Matrosen im Atom- U-Boot  „Kursk“ oder bei den Menschen die beim Absturz des Verkehrsflugzeugs in Barein ums Leben kamen?

Wenn ich an meine Kinder denke, hoffe und wünsche ich, dass sie von solch einem Unglück verschont werden . Und unwillkürlich geht mein Gebet in diese Richtung. Gott möge sie schützen und bewahren.

Andererseits wissen wir, dass wir uns selbst gegen Unglücke schützen müssen. Wenn sich Unglücke ereignen, dann wird nach den Ursachen geforscht. Hat die Technik oder haben Menschen versagt? Und der Sinn dieser oft langwierigen und aufwendigen Ursachenforschung ist ja , künftige Unfälle oder Unglücke möglichst zu verhindern.

Theologisch könnte man sagen: Gott hat uns Menschen mit Verantwortungsbewusstsein und Intelligenz  geschaffen. Wenn Unglücke vermieden, Menschen gerettet werden, dann „hilft Gott“ durch das Verantwortungsbewusstsein und die Hilfsbereitschaft von Menschen hindurch.

 

Wenn ich jetzt wieder an meine Kinder denke, und Gott um seinen Schutz bitte, dann bitte ich darum, dass sie Menschen begegnen und finden, die ihnen zur Seite stehen, die ihnen freundlich gesinnt sind und sie aufnehmen in ihrer Mitte.

Aber ich wünsche und bitte auch darum,

dass auch unsere Kinder  Kräfte entwickeln, sich selbst helfen zu können;

dass sie unterscheiden können, was für sie und andere gut oder böse ist;

dass sie lernen, Menschen zu beurteilen und wissen, wem sie sich anvertrauen können und vor wem sie sich besser fern halten.

Und ich hoffe dabei, dass wir, die Eltern, ihnen  einiges an Maßstäben mitgeben konnten.

 

Der Psalm schließt mit den Worten:

„Der Herr behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele.

Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit.“

Gott möge die Seele meiner Kinder behüten. Sie mögen von ihrer inneren Kraft stark werden.

Auch wenn sie in schwierige Situationen kommen oder wenn ihnen ein Unglück geschieht, hoffe und wünsche ich, dass Gott sie stark sein lässt, mit Schwierigkeiten umgehen zu können oder ein Unglück zu überwinden. Gott bewahre sie davor, zu verzweifeln oder sich  aufzugeben. Er stärke sie in der Hoffnung, dass sich neue Möglichkeiten ergeben und jeder neue Tag eine neue Möglichkeit und ein neuer Anfang sein kann.

Von Martin Luther King stammt das Wort:

„Gott ist mächtig. Er kann Wege aus der Ausweglosigkeit weisen,

er kann das dunkle Gestern in ein helles Morgen verwandeln.“