Kurzpredigt über Lk 24,28-31 am 2. Ostertag  2000 anl. des ökumenischen Osterfestes auf dem Stübenplatz in Whbg.

 

Wie können wir teilhaben an der Erfahrung der Jünger, dass Jesus Christus lebt?

Wie wird die Botschaft von Christus , die uns immer wieder gepredigt wird, zu einer lebendigen Wahrheit, die unser Herz erfasst und unser Leben durchdringt?

 

1. In unserer Ostergeschichte  wird uns erzählt,  wie die beiden Jünger dem auferstanden Herrn begegnen. Aber sie erkennen ihn zunächst nicht, auch nicht dann, als er ihnen die Schrift auslegt und erklärt, warum Christus leiden und sterben musste. Er bleibt ihnen ein Fremder.

Und nun , als die beiden Jünger den Ort Emmaus erreichen und es Abend wird ,bitten sie den Fremden ,mit ihnen einzukehren und mit ihnen zu essen,.

Dabei nun geschieht es : als  der unerkannte Jesus mit ihnen das Brot bricht, gehen den Jüngern die Augen auf.   Dieser merkwürdige Fremde, der die ganze Zeit mit ihnen auf dem Wege war, ist der Herr.  Die Jünger erkennen  ihn so, wie sie ihn Zeit seines Lebens vor allem erlebt hatten: als den, mit dem sie zu Tische saßen und sie somit in seine Gemeinschaft hineingenommen hatte. 

Die Gemeinschaft im Zeichen des Brotbrechens ist für sie zum Erkennungszeichen seiner Liebe und Gottesnähe geworden.  So wie Jesus Gott verkündete und lebte,  haben die Jünger und sollen auch wir  Gott  als einen Gott in der Nähe der Menschen glauben und leben, als   einen  Gott, der die Menschen liebt und sie hineinnimmt in den Bund seiner Liebe.

Niemand ist ausgeschlossen wegen seiner Volkszugehörigkeit oder seiner Rasse . Auch gerade die gehören dazu oder sollen dazugehören, die sich von Gott entfernt haben, die schuldig geworden sind und einen neuen Anfang für ihr Leben suchen.

Jesus lebt:  Die Gottesliebe , die er lebte, ist mit seinem Tode am Kreuz nicht vergangen, nichtwiderlegt, sondern  bestätigt und zu neuem Lebe erweckt.

 

2. Somit antwortet die Geschichte auf die Frage, wie wir heute an der Erfahrung der Auferstehung Jesu teilhaben können, wie seine Botschaft für uns zu einer lebendigen Wahrheit wird: dadurch, dass wir die Gemeinschaft , die er stiftet, fortsetzen. „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“, - so heißt es an einer anderen Stelle.

Viele Menschen gibt es gerade auch hier in unserem Stadtteil, die auf solche Gemeinschaft warten:

-         viele Einsame,

-         viele, die sich hier fremd fühlen oder als Fremde hierher gekommen sind;

viele, die sich vom Unglück verfolgt fühlen, die mit ihrem Leben nicht zurechtkommen und nach einem Ausweg oder Neuanfang suchen.

 

3. So lasst uns dem Hinweis dieses Wortes und unserer Ostergeschichte folgen. Das Hören von Worten  lässt uns den Auferstandenen nicht wirklich erkennen. Zu einer lebendigen Erfahrung  des Lebens, das Christus schenkt, kommt es, wenn wir einander begegnen und Gemeinschaft miteinander haben.

Lassen wir es nicht nur dabei, hier unsern Predigten zuzuhören, sondern feiern wir anschließend  die Gemeinschaft  der Christen und der Menschen untereinander, indem wir zusammen essen, miteinander reden.

Der Herr möge sich auf diese Weise unter uns einfinden und bei uns sein..

 

Amen.