Himmelfahrtstag 13.5.1999                                                                           

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Psalm 47, 1-3, 6-8

 

‘Frohlocket mit Händen, alle Völker, und jauchzet Gott mit fröhlichem Schall! Denn der Herr, der Allerhöchste, ist erschrecklich, ein großer König auf dem ganzen Erdboden.

Gott fährt auf mit Jauchzen und der Herr mit heller Posaune. Lobsinget, lobsinget Gott; lobsinget, lobsinget unserem König. Denn Gott ist König auf dem ganzen Erdboden; lobsinget ihm klüglich.’

 

 

Heute, am Himmelfahrtstag, sind wir hier zum Reiherhorst hinausgefahren, um uns an der Natur am frischen Grün der Bäume und an blühenden Blumen, an der Wärme der Sonne und am offenen Himmel zu erfreuen.

 

1.  Natur und Himmel sind Bilder für Gott. Gott hat Himmel und Erde geschaffen, so bekennen wir es in unserem Glaubensbekenntnis. Sie sind Gleichnis und Bild für seine Größe und seine Herrschaft. So wie die Natur und die Weite des Himmels die ganze Erde umfaßt, alle Menschen, alle Völker, so umfaßt Gottes Herrschaft alles, was lebt. Es gibt keinen Ort, wo Gott nicht ist.

Und so wie wir in der Natur Schönheit und Größe erleben und uns dabei zum Jauchzen und Jubeln zumute sein sollte, so sollen wir in der Herrschaft Gottes ihre Herrlichkeit und Güte preisen.

Dazu fordert uns dieser und viele andere Psalmen des Alten Testaments auf. „Schlagt froh in die Hände, alle Völker. Jauchzt Gott mit fröhlichem Schall!“

Viele unserer Kirchenlieder bringen dieses Lob zum Klingen. Und in besonderer Weise tun dies die Großen Werke der Musik - die Schöpfung von Haydn zum Beispiel, deren Anfangs- und Schlußchor wir am vergangenen Sonntag in Kirchdorf hören konnten.

 

2.  Können wir einstimmen in dieses Lob der Herrlichkeit und Schönheit Gottes? Können wir Natur und Himmel mit ihrem Licht und ihrer Schönheit die Dunkelheit oder Muffigkeit aus unseren Herzen vertreiben lassen? Oder lassen wir uns von Mächten beherrschen, die uns niederdrücken, uns einengen und Angst machen?

Jeder wird es für sich selbst wissen, worin für ihn diese niederdrückenden düsteren Mächte bestehen. Not oder Konflikte, Mühsal des Alters, Einsamkeit, die Ungewißheit der Zukunft - das mögen Schatten sein, die auf dem Leben vieler Menschen liegen. Wir erleben die Macht und Brutalität der Mächtigen dieser Welt, der Menschen hilflos ausgeliefert sind. Uns alle mag die geheime Furcht vor einem sich ausweitenden Krieg beschleichen oder vor zunehmender Gewalt und Brutalität in unserer Gesellschaft.

Können wir unbeschwert hier Himmelfahrt feiern, wenn nicht sehr weit entfernt Bomben fallen und Menschen unter grausamen Umständen vertrieben werden?

Wie paßt das alles zusammen mit dem Lob der Herrlichkeit Gottes?

 

3.  Ich denke, es ist an dieser Stelle gut, sich darauf zu besinnen, welches der christliche Sinn des Himmelfahrtstages ist - nämlich das Bekenntnis zur Himmelfahrt Jesu. Jesus - aufgefahren in des Himmel, sitzend zur Rechten Gottes - das heißt ja, daß er die Dunkelheit und Macht der Mächtigen erlitten hat, teil hat an Gottes Macht, daß in ihm die dunklen Mächte der Unterdrückung, des Leides und des Todes überwunden sind. Jesus ist der Herr - so haben es die ersten Christen bekannt. Sie haben dieses Bekenntnis gegen die Machthaber ihrer Zeit gesprochen und haben damit der Gewalt und Unterdrückung widersprochen. Die Macht seiner Liebe und seiner Menschenfreundlichkeit ist größer als die Macht der Finsternis, als die Gewalt der Mächtigen. Denen wollen wir uns nicht unterwerfen. Sie soll und will sich durchsetzen.

 

Das ist ja immer die Frage an uns, wie wir mit dem umgehen, was uns niederdrücken will. Körperliche Beschwerden können Menschen klein machen, ihnen den Lebensmut und die Lebensfreude rauben. Es gibt aber auch das andere, daß Menschen gegenhalten, aufrecht bleiben. „Richten Sie sich auf, ehe Sie nach draußen gehen!“

 

4.  Ich denke, daß so ein Aufrichten mit dem Jauchzen und Jubeln gemeint ist. Wir richten uns auf und wenden uns dem Himmel entgegen. Wir wollen uns mit unserem Leben immer wieder der Schönheit Gottes zuwenden und seine Menschenfreundlichkeit, die er in Jesus Christus beglaubigt hat, preisen.

„Der Himmel geht über allen auf!“ - immer wieder jeden Tag erleben wir sein Licht, erleben wir Güte, erleben wir in der Freundlichkeit von Menschen um uns herum, daß Christus als Herr bei uns ist.

Uns so wollen wir dem Himmel auch in unserem Leben Raum geben, wollen selbst ein Teil der Güte werden und dazu beitragen, daß nicht die Gewalt, sondern Liebe und Freundlichkeit unter uns groß werden.

 

Amen.

 

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