Hamburg, den 22.08.00.

 

Lieber Sebastian!

 

Fast ein Jahr lang werden wir, deine Eltern Dich nicht sehen. Eine halbe Weltreise weit wirst Du von uns entfernt leben. In deiner Gastfamilie wirst Du zwar aller Voraussicht nach gut aufgehoben sein. Und die Schule dort mit allem, was dazu gehört, wird Deinen Tagesablauf stärker prägen, als hier in Hamburg. Dennoch wird erst einmal alles neu und fremd sein.

Du bist sehr stark auf Dich gestellt und musst mit vielen neuen und ungewohnten Situationen fertig werden. Deswegen möchte ich Dir einen Segen mit auf die Reise geben. Gott möge Dich schützen und bewahren.

Dieser Segen ist in Deinem Tauf- und in Deinem Konfirmationssspruch enthalten.

 

Dein Taufspruch aus dem Buch Josua Kap. 1,9:

 

Siehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und unverzagt seist.

Lass dir nicht grauen und fürchte dich nicht,

denn ich, dein Gott, mit  dir in allem, was du tun wirst.

 

Dein Konfirmationsspruch aus dem Galaterbrief, Kap 5,1:

 

Zur Freiheit hat uns Christus befreit!

Steh also fest und lass dich nicht zum Sklaven machen.

 

Dein Taufspruch spricht Dir Mut zu. Die Furcht oder Angst macht uns klein und eng.

Gott aber ist ein Gott der Weite und der immer neuen Möglichkeit.

Der Glaube an Gott hilft Dir, ein Mensch zu werden, der seine Angst überwindet, der sich vor Menschen und neuen Situationen nicht fürchten muss. Und  der Glaube an Gott soll sich als Zuversicht bewähren, dass dir jeder neue Tag  eine neue Möglichkeit zu leben eröffnet. Du kannst und sollst darauf vertrauen, dass  dein Leben zum Guten angelegt . Wenn du darauf vertraust , kann letztlich nichts schief gehen. Dein Leben wird gesegnet sein.

 

Dein Konfirmationsspruch will Dir helfen, ein freier Mensch zu sein und zu werden.

Dabei geht es hier vor allem um unsere innere Freiheit. Die äußere Freiheit, alles oder vieles tun zu dürfen , hast du dir schon in vieler Hinsicht erworben. Äußere Freiheit allein aber kann Dich auch verführen. Das, was uns besonders verlockt, kann uns auch abhängig werden lassen, kann uns zu einem eigensüchtigen innerlich unfreien Menschen werden lassen. Deshalb muß zur äußeren Freiheit die innere Freiheit kommen.  Wie frei wir innerlich sind, merken wir daran, ob wir auch etwas lassen oder auf etwas verzichten können, was uns eigentlich lieb und wichtig ist.

Die Freiheit, die uns in der Gestalt Jesu begegnet, ist eine Freiheit in der Liebe. Wirklich frei  sind wir, wenn wir unser Leben auch für andere Menschen einsetzen können, wenn wir ein Stück frei werden von uns selbst.

 

Zum Schluss noch ein Segensspruch von Dietrich Bonhoeffer, einem Theologen, der sein Leben im Widerstand gegen das 3. Reich eingesetzt hat:

 

Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag.

Gott ist mit uns  am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

 

Es hat Dich lieb, Dein  Vater.