„Wann können wir uns wieder sicher fühlen?“ – Kommentar von Holger Dohmen im Hamburger Abendblatt vom 29.10.02 zum Leitartikel: „Terror- Kommandos bedrohen Deutschland“.
Leider bleibt Herr Dohmen die Antwort auf seine gestellte Frage schuldig. Statt dessen meint er zu wissen, was nicht zu tun ist: Mit „Toleranz“ und „Versöhnungsrhetorik“ – „das sollte endlich klar sein“ - sei der „Geißel Terrorismus“ nicht bei zu kommen. Wirklich nicht?
Sicherlich, entschlossenen Terroristen kann nur durch erhöhte Wachsamkeit und Abwehr unserer Geheimdienste und Polizei begegnet werden. Aber ist der Nährboden des Terrorismus nicht dort zu suchen, wo Völker in bitterer Armut leben, sich entrechtet oder unterdrückt fühlen? Der Terrorismus ist die Waffe der Armen und Unterdrückten, so wird gesagt. Das rechtfertigt den Terrorismus nicht, macht ihn aber erklärlich. Im weiteren Sinne geht es um Toleranz und Versöhnung gegenüber solchen Völkern wie z.B. den Tschetschenen, die für sich ein Recht auf Selbstbestimmung und Gestaltung ihrer eigene Kultur beanspruchen. Anstatt vor möglichen Terroranschlägen in Deutschland zu warnen und damit genau das zu tun, was als Ziel des Terrors genannt wird- nämlich Angst zu schüren, sollte mehr über die Hintergründe des Terrorismus und seinen Nährboden informiert werden. Ein Journalismus, der sich in Angst- oder Katastrophen“rhetorik“ erschöpft, arbeitet dem Terror in die Hände .
Hildebrand Henatsch, Hamburg-Wilhelmsburg