„Meine Zeit  und Gottes Werk“, ein Brief zum 60. Geburtstag über Prediger Salomonis Kap 3 am 19. Juli 2000

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Nachträglich zu Deinem 60. Geburtstag sende ich Dir zum Thema  „Zeit“ den versprochenen Text aus dem Alten Testament  und dazu noch einige eigene Gedanken.

 

Der Text kommt aus dem Prediger Salomonis, einem der Weisheitsbücher des AT.

Das Volk Israel hat ja keine Philosophie im spekulativen griechischen Sinne entwickelt, sondern eine Weisheit hervorgebracht, die an der Erfahrung  orientiert  und von der Frömmigkeit, dem Glauben an Gott, bestimmt ist.

 Hier also der Text:

 

       Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine

       Stunde:

       Geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit;

       pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit;

       töten hat seine Zeit, heilen hat seine Zeit;

       bauen hat seine Zeit, abbrechen hat seine Zeit;

       weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit;                                                                       

       klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit;

       herzen hat seine Zeit, aufhören zu herzen hat seine Zeit;

       suchen hat seine Zeit, verlieren hat seinen Zeit;

       schweigen  hat seine Zeit, reden hat seine Zeit;

       lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit;

       Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit.

      

       Man mühe sich ab, wie man will, so hat man doch keinen Gewinn davon.

       Ich sah die Arbeit, die Gott den Menschen gegeben hat, dass sie sich damit plagen.

       Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit; auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz

       gelegt.

       Nur dass der Mensch nicht das Werk ergründen kann, das Gott tut, weder Anfang               

       noch Ende.

       Da merkte ich, dass es nichts Besseres gibt , als fröhlich sein und sich gütlich tun in            

       seinem Leben. Denn ein Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei allem           

       seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes.

 

Ich denke, dass dieses Verständnis von Zeit  unserem ursprünglichen Erleben  sehr viel näher steht, als die mit der Uhr gemessene „chronologische“ Zeit. Und vielleicht ist es so, dass wir, je älter wir werden, zu diesem Verständnis mehr und mehr zurückkehren. Diese unterschiedliche Zeiterfahrung  lässt sich ja ohne weiteres im Blick auf das eigene Leben erweitern oder ergänzen. Z.B.. „Jungsein hat seine Zeit, und Altwerden hat seine Zeit“.

Mir selbst ist dabei wichtig, dass die unterschiedlichen „Zeiten“ nicht gewertet werden. Offensichtlich hat jede Zeiterfahrung ihren eigenen Wert in sich. „Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit“. Für mich steckt darin eine wichtige Lebensaufgabe, das „Gute“ oder „Schöne“ der unterschiedlichen Erfahrungen, auch gerade der schweren oder schwierigen zu erkennen und dabei zum Frieden mit sich selbst zu gelangen.

 

Im Hintergrund steht  die Erfahrung und Erkenntnis, dass unsere erlebte Zeit vergänglich ist und wir Menschen das „Werk nicht ergründen können, das Gott tut“. Warum musste dieses oder jenes so oder so geschehen, warum geschieht es gerade mir und womit habe ich eine Krankheit oder ein Unglück verdient, sind Fragen, mit denen viele Menschen sich quälen. Es ist gut, sie Gott anheim stellen  zu können.

Die  Antwort auf alle Fragen nach dem Sinn des Leidens und des für uns oft sinnlosen Sterbens gibt der Prediger mit seiner Erkenntnis:  „Es gibt nichts Besseres , als fröhlich zu sein  und sich gütlich zu tun in seinem Leben.„  Für mich ist hier die Auforderung enthalten, die Zeit, die uns bleibt und die sich neu einstellt, zu nutzen und auszufüllen nach den Möglichkeiten, die mir geben sind. Ich kann das Gute und Schöne, das ich erfahre oder selber bewirke,  dem Unheilvollen entgegensetzen. Ich kann dabei nichts und muss nichts für die Ewigkeit tun.

Die Ewigkeit ist mir aber „ins Herz gelegt“ als Hoffnung auf Frieden und Sehnsucht  nach  Vollendung.  Sie fordert mich heraus und hält mich lebendig.  Und vielleicht bestimmt sie unser Handeln und  Leben, wenn wir uns in aller Vorläufigkeit und oft auch Vergeblichkeit für ein Stückchen bessere oder gerechtere Welt einsetzen oder miteinander etwas an Liebe zu leben versuchen.

 

So wünsche ich  Dir für Deine weiteren Jahre viel Gutes und Schönes zusammen mit Deinem Mann und  allen, die zu Dir gehören und für die Du etwas sein kannst.